Lernzettel für die Erzieher-Ausbildung · Kommunikation / Deutsch

Erzieher-Ausbildung Lernkarten: Kommunikationssperren sowie Ich- und Du-Botschaften

Nach Thomas Gordon blockieren bestimmte Reaktionen ein Gespräch, weil das Gegenüber sich bewertet, nicht angenommen oder zu einer Veränderung gedrängt fühlt. Ich-Botschaften beschreiben dagegen die eigene Wahrnehmung, Wirkung und Bitte, ohne der anderen Person eine feste Eigenschaft zuzuschreiben.

Wichtige Fachbegriffe

Kommunikationssperre

eine Reaktion, die Offenheit, Selbstklärung oder Weitererzählen erschwert

Du-Botschaft

Aussage, die der anderen Person Eigenschaften, Schuld oder Pflicht zuschreibt

Ich-Botschaft

Aussage über eigene Beobachtung, Gefühl, Wirkung, Bedürfnis oder Bitte

Beobachtung

konkretes wahrnehmbares Verhalten ohne pauschale Bewertung

Bitte

klarer, umsetzbarer Wunsch ohne Drohung oder Zwang

Lernzettel

Typische Kommunikationssperren

Nicht jede Äußerung ist in jeder Situation automatisch falsch. Problematisch wird sie, wenn sie die Perspektive des Gegenübers ersetzt, abwertet oder das Gespräch vorschnell beendet.

Befehlen, warnen oder drohen

Druck und Angst erzeugen statt Verständnis zu fördern

Moralisieren oder predigen

mit ‚Du solltest‘ und allgemeinen Normen bewerten

Urteilen, kritisieren oder beschuldigen

Person oder Verhalten pauschal abwerten

Beschämen oder lächerlich machen

Selbstwert verletzen und Offenheit verhindern

Interpretieren oder diagnostizieren

Motive und Gefühle als sichere Wahrheit behaupten

Ratschläge und fertige Lösungen

die Selbstklärung überspringen und das Problem übernehmen

Ablenken oder ausweichen

Thema wechseln, verharmlosen oder durch eigene Geschichte ersetzen

Lernzettel

Ich-Botschaft in vier Bausteinen

Eine vollständige Ich-Botschaft ist kein versteckter Vorwurf. Sie bleibt konkret und lässt eine Antwort oder gemeinsame Lösung zu.

1 · Situation beobachten

‚Während die jüngeren Kinder schlafen, singst du im Gruppenraum.‘

2 · Eigene Wirkung oder Gefühl

‚Ich werde unruhig, weil die Kinder davon aufwachen können.‘

3 · Bedürfnis oder Grund

‚Mir ist Ruhe während der Schlafzeit wichtig.‘

4 · Konkrete Bitte

‚Bitte sing draußen oder leise mit mir im Nebenraum.‘

Falltraining

Spiel, Arbeit oder Übergangsbereich?

Begründe jede Einordnung mit Freiwilligkeit, Motivation, Zweck, Ergebnis und Situation.

01 · Ein Kind kommt während der Portfolio-Arbeit wiederholt und bittet um ein Buch. Statt ‚Du nervst mich‘ – wie lautet eine Ich-Botschaft?

‚Ich möchte die Portfolio-Seite noch fünf Minuten konzentriert beenden. Danach lese ich dir das Buch vor. Leg es bitte schon auf den Tisch.‘ Die Fachkraft beschreibt ihren Bedarf und gibt eine verlässliche Alternative.

02 · Nach dem Freispiel liegen Bausteine und Kleinteile herum. Formulieren Sie ohne Vorwurf.

‚Ich sehe noch Bausteine und Kleinteile auf dem Boden. Mir ist wichtig, dass niemand stolpert und wir alles wiederfinden. Bitte räumt zuerst die kleinen Teile in die Kiste.‘

Beispiel aus der Kita

Statt ‚Immer lässt du deinen Müll liegen‘ sagt die Fachkraft: ‚Ich sehe die leere Dose noch auf dem Tisch. Mir ist ein sauberer Gemeinschaftsraum wichtig. Bitte entsorge sie jetzt im Behälter.‘

Merksatz

„Nicht: Du bist falsch. Sondern: Ich beobachte – es wirkt auf mich – mir ist wichtig – ich bitte.“

Zuletzt fachlich geprüft: 4. September 2026