Lernzettel für die Erzieher-Ausbildung · Kommunikation / Deutsch

Erzieher-Ausbildung Lernkarten: Gewaltfreie Kommunikation: Gefühle und Bedürfnisse erkennen

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg verbindet Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Gefühle zeigen, ob Bedürfnisse erfüllt oder unerfüllt sind; dieselbe Situation kann bei verschiedenen Personen unterschiedliche Bedürfnisse berühren.

Wichtige Fachbegriffe

Beobachtung

wahrnehmbares Verhalten beschreiben, ohne zu bewerten

Gefühl

eigenen inneren Zustand benennen, nicht die andere Person beschuldigen

Bedürfnis

allgemeines menschliches Anliegen wie Sicherheit, Ruhe, Zugehörigkeit oder Autonomie

Bitte

konkrete, positive und erfüllbare Handlung erfragen

Selbstempathie

eigene Gefühle und Bedürfnisse vor der Reaktion wahrnehmen

Fremdempathie

Gefühle und Bedürfnisse des Gegenübers vorsichtig erkunden

Lernzettel

Vier Schritte der GfK

Die Schritte sind eine Denk- und Gesprächshilfe, kein starres Satzschema. Gefühle und Bedürfnisse werden als eigene Verantwortung formuliert.

1 · Beobachtung

Was ist konkret zu sehen oder zu hören, ohne ‚immer‘, ‚nie‘ oder Charakterurteil?

2 · Gefühl

Wie geht es mir dabei: unsicher, angespannt, ärgerlich, erleichtert?

3 · Bedürfnis

Was ist mir wichtig: Sicherheit, Ruhe, Klarheit, Beteiligung, Spiel, Nähe oder Selbstbestimmung?

4 · Bitte

Welche konkrete Handlung wünsche ich mir jetzt? Die andere Person darf grundsätzlich Nein sagen oder eine Alternative vorschlagen.

Lernzettel

Bedürfnisse in Konflikten erkennen

Verhalten ist eine Strategie zur Erfüllung eines Bedürfnisses. Bedürfnis und Strategie werden getrennt: Ein Bedürfnis wird verstanden, eine gefährdende Strategie darf trotzdem begrenzt werden.

Fachkraft

kann Ruhe, Sicherheit, Übersicht, Kooperation oder Verlässlichkeit benötigen

Kind

kann Spielvertiefung, Autonomie, Bewegung, Zugehörigkeit, Beitragen oder Versorgung ausdrücken

Gemeinsamkeit

Hinter verschiedenen Strategien können ähnliche Bedürfnisse stehen, zum Beispiel beitragen oder für andere sorgen

Prüfen statt behaupten

Bedürfnisse als Vermutung formulieren und durch Beobachtung oder Frage klären

Falltraining

Spiel, Arbeit oder Übergangsbereich?

Begründe jede Einordnung mit Freiwilligkeit, Motivation, Zweck, Ergebnis und Situation.

01 · Beim Frühstück steht ein fünfjähriges Kind mehrfach auf und schiebt Spielzeugautos weiter. Analysieren Sie mögliche Bedürfnisse.

Die Fachkraft könnte Ruhe, Übersicht und Versorgung der Tischgruppe brauchen. Das Kind kann Spielvertiefung, Autonomie, Beitragen oder Versorgen erleben. Das sind begründete Vermutungen; sie werden nicht als sichere Absicht behauptet.

02 · Andere Kinder warten angezogen, während ein Kind seinen Pullover langsam anzieht. Wie reagieren Sie nach GfK?

Beobachtung: Die Gruppe ist fertig, das Kind zieht den Pullover an. Die Fachkraft nimmt eigene Anspannung und das Bedürfnis nach Verlässlichkeit wahr, erkundet zugleich mögliche Überforderung oder Selbstständigkeit und bittet konkret: ‚Brauchst du Hilfe oder möchtest du es noch zwei Minuten allein versuchen?‘

Beispiel aus der Kita

Ein Kind wirft Stifte. Die Fachkraft sagt: ‚Ich sehe, dass die Stifte fliegen. Ich bin besorgt, weil mir Sicherheit wichtig ist. Ich stoppe das Werfen. Möchtest du die Stifte hier ablegen oder draußen einen Ball werfen?‘

Merksatz

„Beobachten – Gefühl – Bedürfnis – Bitte; verstehen und trotzdem klar begrenzen.“

Zuletzt fachlich geprüft: 4. September 2026